Emmanuel Mané-Katz (*1894 Kremenschuk/Ukraine †1962 Tel Aviv)

Winterlandschaft mit Hütte

Emmanuel Mané-Katz (1894 Kremenschuk/Ukraine – 1962 Tel Aviv)
Winterlandschaft mit Hütte
1959
Öl/Lwd.; H: 54, B: 65 cm.
Sign.u.r.: Mané-Katz

AUSSTELLUNGEN: Genf, Petit Palais, Musée d’Art Moderne.

LITERATUR: Robert S. Aries: Mané-Katz, The Complete Works, London 1970, Bd. 1, S. 149, Nr. 493

Emmanuel Mané-Katz (Mane Leyzerovich Kats) wurde 1894 in der Ukraine in eine strenggläubige orthodoxe jüdische Familie hineingeboren. Sein Vater war Meßner, „Shammash“, der Synagoge. Sein Sohn Emmanuel sollte Rabbi werden. Nach anfänglichen Versuchen in seiner Heimat Malerei zu studieren begann er im Alter von 19 Jahren 1913 in Paris ein Kunststudium. Er arbeitete zusammen mit Marc Chagall und Pablo Picasso und schloss sich der Jüdischen Schule von Paris an. Mit breitem Pinsel malte er in kräftigen und farbintensiven Farben Landschaften, Stillleben, beobachtete Menschen und stellte jüdische Themen dar. Besonders die Szenen aus dem „Schtetl“ seiner osteuropäischen Heimat prägen sein Werk.1928 reiste er zum ersten Mal nach Palästina. Drei Jahre später erhielt er 1931 für sein Gemälde Die Klagemauer eine Goldmedaille auf der Weltausstellung in Paris. 1958 schenkte Mané-Katz vier Jahre vor seinem Tod sein Werk und seine umfangreiche Sammlung jüdischen Kunstgewerbes der Stadt Haifa. Sein Haus auf dem Berg Carmel beherbergt heute das Mané-Katz Museum.

Das Gemälde Winterlandschaft mit Hütte ist ein typisches Motiv des Malers. Dunkel steht die in schwarzen Farbnuancen gehaltene Hütte in einer intensiv blau-schwarzen Winterlandschaft. Schnee säumt den Weg, der in überlängter Perspektive diagonal zu der Holzhütte im Bildmittelgrund führt. Ein Baum ragt winterlich kahl empor. Die Be-wegheit seines Umrisses wird noch betont durch eine neben ihm gerade aufragende, ab-geschnitte Stange. Zerrissene Wolkenformationen überziehen in grauen und braunen Flächen den Himmel. Kein Mensch bevölkert die weite Landschaft. Ruhig liegt sie un-ter dem verhangenen Himmel, an dessen Horizont sich das Licht in einem türkisen Farbstreifen konzentriert. Alles atmet Kälte, die jegliches Leben zum Erstarren bringt.
Mané-Katz arbeitet mit schnellem breiten Pinsel à la prima aus der Farbe. Große Farb-formen gliedern den Bildraum. Sie leben aus den Kontrasten schwarz und weiß, die durch wenige Farbnuancen in blau, grau und braun ergänzt werden. Die meisterlich an-gelegte Komposition verdichtet den pastosen Farbauftrag an vielen Stellen reliefartig oder lässt unter den lasierend dünnen Pinselstrichen die Leinwand sichtbar.

Das Gemälde entstand in den Jahren als Mané-Katz Ende der 1950er Jahre große Reisen durch die Vereinigten Staaten von Amerika, nach Japan aber auch nach Israel unter-nahm. Aber sein Landschaftsbild Winterlandschaft mit Hütte porträtiert nicht das Gese-hene, sondern es ist ein Erinnerungsbild an seine Heimat in der Ukraine. Vergleichbar mit Gemälden wie Dorf in der Ukraine (WVZ 113, 1933) kehrt dieses Motiv vom ein-fachen Leben auf dem Land lebenslänglich im Werk des Künstlers in ähnlichen Varian-ten wieder (vgl. Abb.). Oft befindet sich in diesen Gemälden auch ein sehr ähnlich auf-gefasstes Baummotiv, der kahl neben einer winterlichen Holzhütte steht (siehe WVZ 113, 183, 405).

Der Stil der späten 1950er und 1960er Jahre, in den letzten Jahren seines Lebens, ist großflächig und monumental. Dabei verdüstert sich seine Palette, leuchtet aber stärker aus den Kontrasten, in intensiver Farbigkeit. Mané-Katz leidet damals bereits an einer unheilbaren Krankheit, der er 1962 in Tel Aviv erliegen wird.