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Carl Spitzweg
(1808 München – 1885 München)

Franz Carl Spitzweg ist der beliebteste Maler des deutschen Biedermeier. Aus einer wohlhabenden Händlerfamilie gebürtig, erlernte Carl Spitzweg den Apothekerberuf. Er famulierte und studierte Pharmazie, Botanik und Chemie in München (1830 – 1832). Nach dem Tod seiner Eltern beschloss der Autodidakt 1833, sich ganz der Malerei zu widmen. Das Mitglied des Münchner Kunstvereins (seit 1835) schuf in seiner mehr als 50-jährigen Schaffenszeit bis in die Achtzigerjahre ein Werk von über 1500 zumeist kleinformatigen Bildern und Zeichnungen.
Im Unterschied zu den akademischen Historienmalern ist Carl Spitzweg der Maler des Allzumenschlichen. Witzige Pointenbilder und Idyllen zeigen die kleinen menschlichen Schwächen und alltäglichen Missgeschicke. Deshalb gehörte vor allem das erstarkende Bürgertum des 19. Jahrhunderts zu seinen Liebhabern. Seine humoristischen Zeichnungen erschienen u. a. in der Münchner Zeitschrift Fliegende Blätter, dessen Mitarbeiter er seit 1845 war. Der Junggeselle malte besonders gerne Sonderlinge wie den Armen Poeten, den Kaktusliebhaber, den Sterndeuter, den Alchimisten oder Bücherwurm. Auch der Bettelmusikant, Mönche und romantische Begebenheiten wie Ein Besuch oder Abschied gehören in sein zentrales Repertoire.
Ebenso intensiv beschäftigte sich Carl Spitzweg mit der Landschaftsmalerei. Der familiär Abgesicherte unternahm im Laufe seines Lebens zahlreiche Reisen. Sie führten ihn nahezu jährlich nach Italien, nach Dalmatien (1839) und Venedig (1850). Mit dem Landschaftsmaler Eduard Schleich d. Ä. unternahm er eine Rundreise, die ihn nach Paris und in den nahegelegenen Wald von Fontainebleau zu den Barbizonmalern (1851) führte, nach London zur ersten Weltausstellung (1851) sowie nach Antwerpen, Frankfurt am Main und Heidelberg. Seine „kleinen Landschaften“, auch „Kistlbilder“ genannt, malte der starke Raucher oft auf die Mahagonibrettchen seiner Zigarrenkisten. Dem Kolorismus verpflichtet, gestaltete er dramatische Alpenpanoramen aber auch idyllische Waldwinkel. Die Wiesen und reifen Getreidefelder der oberbayerischen Landschaft am nahegelegenen Starnberger See, Am Ammersee und bei der Heuernte stellt der von der Freilichtmalerei beeinflusste gerne im Licht des Sommers dar.
Der in München lebende Künstler war auch als Dichter tätig und sammelte Kochrezepte. Spitzwegs Malerei erreichte nach dem Zweiten Weltkrieg ihre bis heute andauernde hohe Popularität. Seine Werke hängen in den großen Museen der Welt.

Literatur von Carl Spitzweg
Carl Spitzweg, Koch- und Haushaltsanweisungen von dem Maler Carl Spitzweg für seine Nichte Line. Leipzig 2008
Carl Spitzweg, Anno dazumalen. Gereimtes und Ungereimtes.
Leipzig, 2005