1793.tn

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Artist: Max Beckmann
(1884 Leipzig – 1950 New York)

Max Carl Friedrich Beckmann war einer der bedeutendsten Maler des deutschen Expressionismus. Seine künstlerische Ausbildung absolvierte er an der Großherzogl. Sächs. Kunstschule in Weimar (1900 – 1903), u. a. bei dem norwegischen Maler Carl Frithjof Smith (1859 – 1917). Erste Vorbilder sind die altniederländische Malerei, Eduard Munch (1863 – 1944), der französische Impressionismus, Paul Cézanne (1839 – 1906) und Ferdinand Hodler (1853 – 1918). Der ab 1905 aufkommenden abstrakten Kunst schloss er sich nicht an. Sein durchgängig figuratives Werk ist anfangs impressionistisch. Nach einem Nervenzusammenbruch als Sanitäter im Ersten Weltkrieg gelangte er zum Expressionismus und entwickelte in Berlin seine flächige Schwarzkonturenmalerei und leuchtende Farbigkeit.
Seine Bildinhalte sind vielschichtig und rätselhaft. Der Künstler beschäftigte sich mit gnostischen, altindischen und theosophischen Lehren. Der Anhänger der Philosophie Arthur Schopenhauers verarbeitete biblische Stoffe und war ein vorzüglicher Porträtist.
Viele Reisen und Studienaufenthalte führten ihn in den ersten Jahrzehnten seiner Künstlerlaufbahn nach Paris und Nizza, nach Holland, in die Schweiz und nach Florenz (1906) als Preisträger der Villa Massimo.
Beckmann wirkte in den Zwanziger Jahren als Lehrer an der Städel-Kunstschule in Frankfurt (1925 – 1933). 1937 floh der als entartet gebranntmarkte Maler nach Amsterdam. Dort entstand ein Drittel seines Gesamtwerks während des Zweiten Weltkriegs. 1947 verließ Beckmann Europa für immer. Er folgte einer Einladung nach St. Louis/Missouri. Ende 1949 ging er als Lehrer an die Kunstschule des Brooklyn Museums in New York. Dort verbrachte er sein letztes Lebensjahr.
Max Beckmann war in erster Ehe verheiratet mit der Malerin und Sängerin Minna Tube (1881 – 1964) und hatte einen Sohn, Peter Beckmann (1908 – 1990). In zweiter Ehe ehelichte er 1925 Mathilde Kaulbach (1904 – 1986), Tochter des Malers Friedrich August von Kaulbach (1850 – 1920), die ihn bis an sein Lebensende begleitete. Quappi, wie er sie nannte, ist eine der meistgemalten und -gezeichneten Frauen der Kunstgeschichte und Beckmann der Maler mit den meisten Selbstporträts.
Max Beckmann hatte eine reiche Ausstellungstätigkeit, u. a. in der Berliner Secession (1908 – 1924), in Mannheim (1928) und auf der Biennale in Venedig (1930). In Paris wurde er Anfang der Dreißiger Jahre von den Künstlern des Surrealismus und Pablo Picasso geehrt. 1932 richtete die Berliner Nationalgalerie einen eigenen Beckmann-Saal ein. 1937 wurde er in der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ verfemt. Im amerikanischen Exil ab 1948 erfuhr sein durchgängig figuratives Werk eine umfassende Würdigung in St. Louis, Cambridge/Massachusetts, Detroit, Los Angeles und San Francisco.
Der Maler Max Beckmann war auch ein vorzüglicher Bildhauer und facettenreicher Zeichner, der alle grafischen Techniken beherrschte. Er illustrierte zahlreiche literarische Werke, darunter die Johannes-Apokalpyse (1943) und Goethes Faust (1957).

Literatur über Max Beckmann (Auswahl)

Hans Martin Freiherr von Erffa (Hg.), Barbara Göpel und Erhard Göpel: Max Beckmann. Katalog der Gemälde. 2 Bde., Schriften der Max Beckmann Gesellschaft 3, Bern 1976
James Hofmaier, Max Beckmann. Catalogue raisonné of his Prints. 2 Bde., Bern 1990
Stephan von Wiese, Max Beckmann. Das zeichnerische Werk 1903–1925. Düsseldorf 1978
Mayen Beckmann, Siegfried Gohr (Hg.), Max Beckmann. Aquarelle und Pastelle. Werkverzeichnis der Arbeiten auf Papier. Köln 2006
Mathilde Q. Beckmann, Mein Leben mit Max Beckmann. München 1983/1985
Minna Tube, Erinnerungen an Max Beckmann. In: Doris Schmidt (Hg.), Max Beckmann. Frühe Tagebücher. München 1985, S. 157–186
Marie-Louise von Motesiczky, Max Beckmann als Lehrer. Erinnerungen einer Schülerin des Malers. In: Marie-Louise von Motesiczky, Aust.-Kat., Wien 1994
Stephan Lackner, Max Beckmann. Köln 1979/1983
Peter Beckmann, Max Beckmann – Leben und Werk. Stuttgart/Zürich 1982